Die Bevölkerung wird immer älter, damit steigen auch die Behandlungskosten. Generika sichern nicht nur den breiten Zugang von Patientinnen und Patienten zu moderner Medizin, sondern helfen den Krankenkassen und damit der Gesellschaft, unser Gesundheitssystem auch in Zukunft zu finanzieren. Wir haben in Österreich in praktisch allen Indikationsgebieten Generika. Damit kann jeder Mensch in Österreich die Therapie erhalten, die er oder sie benötigt.
Im Zusammenhang mit Generika wird meist nur der ökonomische Wert diskutiert. Der Wert von Generika geht aber weit über Einsparungen hinaus. Generika sind systemrelevant für eine sichere und nachhaltige Medikamentenversorgung. Sie bieten breiten Zugang für Patientinnen und Patienten, sorgen durch Angebotsvielfalt für eine sicherere Medikamentenversorgung und schaffen durch Innovationen nachhaltigere Produktionsbedingungen und mehr Effizienz in der Produktion.
Breite Patientenversorgung: In Österreich können dank Generika doppelt so viele Patientinnen und Patienten zu gleichen Kosten behandelt werden. Fast 107 Mio. verkaufte Arzneimittel-Packungen sind Generika (Stand 2024).
Versorgungssicherheit: Nur eine Vielfalt der Anbieter am Markt sichert die Verfügbarkeit von Medikamenten.
Leistbarkeit: Unser Gesundheitssystem muss auch in Zukunft leistbar bleiben – trotz des demografischen Wandels, einer immer älter werdenden Bevölkerung und damit einhergehend auch einem steigenden Medikamentenbedarf. 59 Prozent aller Verordnungen im patentfreien Markt sind Generika. Jedes weitere Prozent spart 13 Mio. EUR für andere Therapien (Stand 2024).
Innovation: Durch Innovationen im Herstellungsprozess können z. B. die Effizienz und der Energie- und Ressourcenbedarf verbessert werden. So konnte etwa bei der Penicillin-Produktion in Kundl, Tirol, durch optimierte Geometrie der Rührer für die bis zu 250.000 Liter großen Fermentationsgefäße die Produktionseffizienz maximiert und der Energieverbrauchgleichzeitig reduziert werden. Solche Prozess-Innovationen stärken die Wettbewerbsfähigkeit des europäischen Produktionsstandorts.
Dennoch sinken die Preise für Generika kontinuierlich. Eine wirtschaftliche Vermarktung wird für viele Hersteller zunehmend schwieriger. Wichtige Medikamente drohen aus der Versorgung zu fallen. In Europa haben bereits über ein Viertel der Generika in den letzten 10 Jahren den Markt verlassen. Rund 600 Medikamente sind nach wie vor nicht oder nur eingeschränkt lieferbar, darunter Schmerzmittel, Antibiotika, Medikamente für das Herz-Kreislaufsystem uvm. Leidtragende sind die Patientinnen und Patienten, die dringend auf diese Medikamente angewiesen sind.
Das Prinzip „Hauptsache billig“ funktioniert nicht mehr. Wenn Unternehmen bei den ohnehin schon sehr günstigen Generika noch mehr unter Preisdruck geraten, ist eine wirtschaftliche Vermarktung für viele Produkte nicht mehr möglich und wir verlieren das Angebot am Markt. Das gefährdet die Medikamentenversorgung der Patientinnen und Patienten.“
Wolfgang Andiel, Präsident des Österreichischen Generikaverbands
Der durchschnittliche Wert einer Generikatablette lag 2024 bei 16 Cent (2026 bei 15 Cent). Reicht das?
Wolfgang Andiel: Wir sind damit am Ende des Machbaren angekommen. Die Preise für Generika werden seit ihrer Einführung von der Sozialversicherung kontinuierlich nach unten gedrückt. Gleichzeitig steigen die Inflation, die Herstellungskosten und die Anforderungen an Medikamente. Insbesondere in den letzten Jahren, in denen es immer mehr Lieferengpässe gab, hat sich gezeigt: Das Prinzip „Hauptsache billig“ funktioniert nicht mehr. Wenn Unternehmen beiden ohnehin schon sehr günstigen Generika noch mehr unter Preisdruck geraten, ist eine wirtschaftliche Vermarktung für viele Produkte nicht mehr möglich und wir verlieren das Angebot am Markt. Das gefährdet die Medikamentenversorgung der Patientinnen und Patienten. Daher braucht es dringend Reformen in der Erstattung.
Was ist der Erstattungsmarkt und warum ist er für Generika-Hersteller so wichtig?
Andiel: Die Preise für erstattete Arzneimittel in Österreich werden im Allgemeinen Sozialversicherungsgesetz (ASVG) geregelt. Durch die Generika-Preisregel werden Medikamentenkosten in Summe um zumindest 65 Prozent gesenkt. Denn mit jedem Generikum, das auf den Markt kommt, müssen die Preise für Generika aber auch für das Originalmedikament gesenkt werden. Je mehr Generika auf dem Markt sind, desto stärker sinken also die Kosten. Das ASVG regelt den sogenannten Erstattungskodex. Dieser beinhaltet jene Arzneimittel, die in Österreich zugelassen, gesichert lieferbar und von Ärztinnen und Ärzten auf Rechnung der Sozialversicherungsträger verschreibbar sind. Dieser Erstattungsmarkt steht für über 74 Prozent des Gesamtmarktes an rezeptpflichtigen Medikamenten. Für Generika ist die Aufnahme in den Erstattungskodex, die Liste aller erstattungsfähigen Medikamente, Voraussetzung für die Verschreibbarkeit.
Welche Maßnahmen braucht es?
Andiel: Das haben wir im Positionspapier Reformbedarf im Erstattungssystem festgehalten (Aktualisierung von 2026).