10.3.2023
Pressemeldungen

Antibiotikasäfte für Kinder Mangelware

Hoher Preisdruck schwächt Versorgung

Wien, am 9. März 2023 – Derzeit wird von einem Versorgungsengpass bei Antibiotikasäften für Kinder berichtet. Während die Apothekerkammer eine hauseigene Herstellung der Mittel mithilfe von Rohstoffen aus dem Ausland vorschlägt, muss eine langfristige Lösung für die sich häufenden Engpässe bei Medikamenten gefunden werden. Alle Antibiotika-Kindersäfte sind patentfrei, dementsprechend hoch ist hier der Generikaanteil: Er liegt bei ca. 57 Prozent. Insgesamt sind 30 unterschiedliche Generika für Antibiotikasäfte für Kinder im Handel. Laut IQVIA wurden 2022 um 93,4 Prozent mehr Antibiotikasäfte abgegeben als 2021 und um 11,4 Prozent mehr im Vergleich zu 2019, also vor der Pandemie. Die Nachfrage hat sich zuletzt also um ein Vielfaches erhöht. Gleichzeitig sinken die Preise für solche Medikamente stetig: der Durchschnittspreis einer Packung beträgt 5,25 EUR und ist damit seit 2019 um knapp 5 Prozent gefallen.

Nur noch wenige Hersteller

Weltweit gibt es beispielsweise für Penicillin-Wirkstoffe, welche zur Untergruppe von Antibiotika gehören, nur noch fünf Hersteller. Der größte ist in China, der zweitgrößte Hersteller in Tirol, Österreich.

Die Versorgung funktioniert im Regelfall sehr gut, konnte aber die zuletzt extrem hohe Nachfrage nicht mehr kurzfristig decken. Das Problem solcher Engpässe ist leider hausgemacht: Sowohl der Preisdruck als auch die Anforderungen für Hersteller steigen stetig. Die Hersteller müssen daher unter maximaler Auslastung ihrer Kapazitäten produzieren, um kostenseitig rentabel zu bleiben und auch die kontinuierlichen Investitionen in die notwendige Modernisierung von Produktionsanlagen zu finanzieren. Medikamente, welche unter die Wirtschaftlichkeitsgrenze fallen, können somit nicht mehr nachhaltig zur Versorgung bereitgestellt werden.

Investitionen in die Steigerung der Produktionskapazität und -effizienz sind kaum mehr finanzierbar und die Wirkstoffproduktion verschiebt sich aus Kostengründen immer mehr auf Länder wie China oder Indien. Dort kommt es in weiterer Folge zu einer Konsolidierung der Firmen, weil auch dort das Volumen die Produktionskosten beeinflusst. Das führt dazu, dass es für viele Wirkstoffe nur noch wenige Hersteller gibt.

Es braucht neue Lösungen

„Die aktuellen ökonomischen Rahmenbedingungen und eingeschränkte Planbarkeit schaden der Versorgungssicherheit und schwächen den Standort Österreich“, so Wolfgang Andiel, Präsident des Österreichischen Generikaverbandes.

Der Generikaverband fordert daher unter anderem die Einführung der Möglichkeit, Arzneimittelpreise zumindest an den Verbraucherpreis-Index anzupassen, um die enorm steigenden Kosten wenigstens teilweise zu kompensieren.

Zudem fordert der OeGV die Konzentration auf Maßnahmen, die die Generika-Verschreibungsanteile anheben. Jedes zusätzliche Prozent an Generika-Verordnungen spart der gesetzlichen Krankenversicherung 15 Mio. EUR. Mehr Generika bedeuten mehr Behandlungsalternativen und damit eine bessere Versorgung.

Stattdessen werden die Preise ab 1. Oktober 2023 weiter gesenkt und Medikamente, die sich dem nicht unterordnen aus der Erstattung gestrichen. Zudem drohen ab 2024 weitere Zwangspreissenkungen. Durch sogenannte Streichungsverfahren können Preissenkungen auf das jeweils niedrigste Generikum erzwungen werden, andernfalls werden Medikamente von der Sozialversicherung ebenfalls aus dem Erstattungskodex gestrichen. Diese Streichungsverfahren aus dem Erstattungskodex müssen abgeschafft werden. Ansonsten wird der massive Druck auf die Versorgung weiter ansteigen.

„Noch besteht die Möglichkeit die Rahmenbedingungen für die nächste Wintersaison so anzupassen, sodass nicht nur Planung und Produktion, sondern auch die Marktbedingungen die Versorgung fördern. Generika leisten einen wichtigen Versorgungsbeitrag und die Sozialversicherungen können viel Geld sparen. Bleibt der Preisdruck aber so hoch, wird das Angebot an Generika und damit auch das hohe Einsparungspotenzial immer weniger. Das gefährdet auch die Versorgungssicherheit der Patientinnen und Patienten“, warnt Andiel.