Generika sind für die Versorgung der Patientinnen und Patienten mit bewährten Arzneimitteln essenziell und machen das Gesundheitssystem finanzierbar. Sie stellen knapp die Hälfte aller verschriebenen Medikamente dar, verursachen aber nur rund 14 Prozent der Gesamtkosten. Zugleich sind die Produktion und der Vertrieb von Generika in Österreich mit Wertschöpfungswirkungen von etwa 2,5 Milliarden Euro verbunden. Damit das langfristig möglich bleibt, sind planbare, versorgungsorientierte Regeln im Erstattungs- und Preissystem notwendig.
Generika sichern den breiten Zugang zu bewährten Therapien und schaffen finanziellen Spielraum für innovative Behandlungen. Seit 1994 sind sie fester Bestandteil der Arzneimittelversorgung in Österreich und mehr als 65 Prozent günstiger als Originalpräparate. Dadurch können zu gleichen Kosten mehr als doppelt so viele Patientinnen und Patienten behandelt werden. Jedes weitere Prozent Generikaverordnungen spart etwa 17 Millionen Euro für andere Therapien. Generika werden besonders häufig bei Lipidregulatoren (89 Prozent Generikaanteil), Blutdrucksenkern (75 Prozent) und Antidepressiva (69 Prozent) eingesetzt.
Auch der erstmals veröffentlichte Heilmittelreport 2026 des Dachverbands der Sozialversicherungsträger bestätigt die Bedeutung von Generika für eine leistbare Arzneimittelversorgung. „Der Report zeigt, dass Generika das Gesundheitssystem entlasten und bei Lieferengpässen wichtige Versorgungsalternativen bieten. Entscheidend ist, dass diese Alternativen auch langfristig verfügbar bleiben“, sagt Dr. Wolfgang Andiel, Präsident des Österreichischen Generikaverbands.
Der Preisdruck nimmt seit Jahren zu. Gesetzliche Rahmenbedingungen drücken die Preise weiter nach unten. Eine Tablette kostet im Durchschnitt nur noch 15 Cent. „Gerade bei den ohnehin preisgünstigen Generika gibt es kaum mehr Spielraum nach unten. Wenn die Preise weiter sinken, während Kosten und regulatorische Vorgaben zunehmen, werden Hersteller aus dem Marktgedrängt“, so Andiel.
In Österreich vertreiben zwölf Unternehmen Generika, davon produzieren vier hierzulande. Die Produktion und der Vertrieb von Generika haben Wertschöpfungswirkungen von zirka 2,5 Mrd. Euro und schaffen rund 19.000 Beschäftigungsverhältnissen. Diese Effekte reichen von den Unternehmen selbst über Zulieferer und Großhandel bis in nachgelagerte Bereiche der Volkswirtschaft. Ein Euro direkter Wertschöpfung der Generikaunternehmen schafft 1,9 Euro Wertschöpfung in der Gesamtwirtschaft. Der BIP-Beitrag der Generikaunternehmen beträgt 2024 etwa 0,6 Prozent. Die größten Effekte entfallen auf die Herstellung von pharmazeutischen Erzeugnissen und den Großhandel. Darüber hinaus sind mit der Produktion und dem Vertrieb von Generika insgesamt Steuer- und Abgabeeinnahmen, wie etwa Sozialversicherungsbeiträge, von 1,1 Milliarden Euro verbunden.
Diese Zahlen basieren auf einer aktuellen Studie von EcoAustria (Datenjahr 2024). Im Vergleich zu den Ergebnissen einer Studie des Industriewissenschaftlichen Instituts zur volkswirtschaftlichen Bedeutung von Generikaunternehmen zeigen sich Zuwächse bei Wertschöpfungswirkung (2019: 1,71 Mrd. Euro) und Beschäftigungswirkung (2019: 16.642 Arbeitsplätze).
Damit Generika auch künftig ihre Rolle für Versorgungssicherheit, Wertschöpfung und Beschäftigung erfüllen können, ist ein Erstattungs- und Preissystem erforderlich, das Wettbewerb und Planungssicherheit ermöglicht. Das Preisband sieht vor, dass alle zwei Jahre die Preise wirkstoffgleicher Produkte in einen Preiskorridor von maximal 20 Prozent über dem jeweils günstigsten Produkt derselben Wirkstoffstärke abgesenkt werden. Es wurde für die laufende Legislaturperiode der Bundesregierung bis 2029 verlängert. Für die Zeit danach braucht es eine dauerhafte Verankerung.
Zusätzlich muss es mehr Spielraum bei sehr niedrigen Preisen geben. Wenn die Kosten steigen, muss eine Indexanpassung möglich sein. Für Arzneimittel unterhalb der Rezeptgebühr braucht es eine freie Preisbildung. Versorgungskriterien müssen im Erstattungs- und Preissystem verbindlich berücksichtigt werden, damit Liefersicherheit und Anbietervielfalt bei Entscheidungen tatsächlich zählen. Zudem muss das Preissystem Herstellungsmodelle nach dem Prinzip „Made in Europe“ stärken: Nur wenn Produktion und Wertschöpfung in Europa wirtschaftlich darstellbar sind, können resiliente Lieferketten bestehen und eine Abhängigkeit von Drittstaaten verringert werden. „Der billigste Preis allein ist kein Versorgungskonzept. Das Preis- und Erstattungssystem muss Planbarkeit schaffen und den Einsatz von Generika im Alltag fördern“, so Andiel.
Die Studie lesen Sie hier: Wertschöpfungswirkungen der pharmazeutischen Industrie in Österreich (EcoAustria)
Der Österreichische Generikaverband ist ein Zusammenschluss von elf Generika-Produzenten, die sich zur optimalen Versorgung der und Patienten mit hochwertigen, preiswerten Arzneimitteln bekennen. Das Ziel unseres Verbands ist einerseits, die Öffentlichkeit über die Vorteile von Generika zu informieren und andererseits aktuelle gesundheitspolitische Debatten mitzugestalten. Unsere Mitglieder sind Accord Healthcare GmbH, Bluefish Pharma GmbH, Dermapharm GmbH, Devatis GmbH, Fresenius Kabi Austria GmbH, G.L. Pharma GmbH, Genericon Pharma Gesellschaft m.b.H, ratiopharm Arzneimittel VertriebsGmbH, Sandoz GmbH, Stada GmbH und Viatris Austria GmbH.