Österreichischer Generikaverband - bekannte Wirkstoffe, bestens bewährt

Therapie braucht Treue

(Wien, am 27. Mai 2008) - Mangelnde Therapietreue (Non-Compliance) und Abweichungen (Adherence) vom vereinbarten Patientenverhalten erhöhen in der Arzneimitteltherapie die Raten an Erkrankungen und Sterblichkeiten und verursachen hohe Kosten im Gesundheitssystem. In Deutschland wird der Schaden auf jährlich über zehn Milliarden Euro geschätzt. Auch in Österreich ist es um die Compliance nicht sehr gut bestellt. Gerade die aktuelle Diskussion zeigt einmal mehr, dass in einem hoch entwickelten Gesundheitssystem die eingesetzten Mittel effizient verwendet werden müssen.

Medikamente werden nicht immer nach Anweisungen eingenommen bzw. überhaupt nicht genommen. Als negative Folgen werden in Studien genannt: schwere Rückfälle, Abhängigkeit, Absetzungserscheinungen, Resistenzen, toxisch bedingte unerwünschte Wirkungen und anderes.
Die Therapietreue wird von mehreren Faktoren beeinflusst. Förderlich wirken Vertrauen in den Arzt, der Glaube an die Wirksamkeit der Therapie sowie die Zufriedenheit mit der persönlichen Betreuung. Mögliche Nebenwirkungen der Medikamente, eine fehlende Vertrauensbasis zwischen Arzt und Patient sowie fehlende Einsicht und Vergesslichkeit erschweren die Compliance. Besonders hoch ist das Risiko mangelnder Therapietreue vor allem bei Krankheiten von langer Dauer und unauffälligem Verlauf sowie Multimorbidität. Für die Einstellung des Patienten auf ein Arzneimittel ist ein vertrauensbildendes Vier-Augen-Gespräch notwendig. Es gilt den Patienten auf allfällige Nebenwirkungen vorzubereiten und die Therapie individuell auf die Bedürfnisse des Patienten abzustimmen.

Auch eine Aut-idem-Regelung kann zur Verstärkung von Compliance-Problemen führen. Besonders chronische und kranke Patienten sind davon betroffen: Bei jeder Rezepteinlösung bekommt der Patient ein anderes Präparat ausgehändigt. Er weiß nicht mehr, wer ihn therapiert, Arzt oder Apotheker? An wen kann er sich bei Fragen und Problemen wenden? Wer übernimmt die Verantwortung? Wer haftet bei Behandlungsproblemen? Aufgrund all dieser Faktoren sind eine Verschlechterung des Therapieerfolges sowie Folgeschäden und erhöhte Folgekosten zu erwarten.
Nach den Kriterien der Evidenced Based Medicine (EBM) „ist die bestmögliche Versorgungsqualität jene, die sowohl die Ergebnisse der klinischen Studien berücksichtigt als auch die persönliche Erfahrung des behandelnden Arztes. Es kann daher nur der individuell behandelnde Arzt die bestmögliche Therapie dem spezifisch betroffenen Patienten anbieten“. Eine HTA-Studie der Medizinischen Hochschule Hannover unterstreicht dieses Ergebnis: Ein vertrauensvolles, unterstützendes Arzt-Patienten-Verhältnis verbessert maßgeblich die Compliance der Patienten. Wichtig dabei sind das Verständnis des Patienten für die Krankheitszusammenhänge und die Notwendigkeit der Medikation.

Folgekosten belasten das System

Aufgrund einer Non-Compliance entstehen vielfache Schäden für das Gesundheitssystem. Direkte Kosten resultieren aus vermeidbaren Krankenhausaufenthalten, vermeidbarer Pflegeleistung, zusätzlichen Arztbesuchen, nicht eingenommenen Medikamenten sowie von Notfalleinweisungen. Ebenso können verringerte Produktivität und Krankenstände als weitreichende Folgen einer schlechten Compliance genannt werden. Daher sind alle Maßnahmen zu fördern, die die Therapietreue unterstützen.
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