
(Wien, am 23. März 2009) - Mit steigendem Gesundheitsbewusstsein steigt der Bedarf an Information und Transparenz. Ein breites Informationsangebot unterschiedlichster Quellen will dem Patienten dabei behilflich sein. Die Erwartungen an den Patienten scheinen hoch gesteckt und höchst unterschiedlich. Entpuppt sich bei näherer Betrachtung der Begriff nur als Schlagwort, als Zeitgeisterscheinung? Häufig verwendet jedoch ohne konsensuale Bedeutung? Vier Experten aus der Medizin, Arzneimittel- zulassung, Seniorenvertretung und Kommunikationswissenschaft überprüfen den Zeitgeist „mündiger Patient“.
Dem Begriff Mündigkeit wird in der öffentlichen Diskussion eine hohe moralische Wertigkeit zugesprochen. Dem Ideal des kritischen Rationalismus („Sapere aude!“) folgend hinterfrägt der mündige Patient grundsätzlich Aussagen und Meinungen von anderen Personen, die mittelbar und unmittelbar in sein Leben eingreifen. In dieser Bedeutung werden u. a. ein hoher Wissensstand der Patienten vorausgesetzt, aber auch die Fähigkeit, Informationen aufzunehmen und zu bewerten.
Vom Umgang mit unterschiedlichen Informationen
Gerade im Informationszeitalter sieht sich der Patient mit vielen Informationsquellen konfrontiert: Ärzte, Medien und Werbung, Freunde, eigene Erfahrung. Vom Patienten ist sind angebotene Informationen nicht immer einfach zu bewerten: beispielsweise aus Mangel an Fachkenntnissen oder weil er aus Krankheitsgründen dazu oft nicht in der Lage ist. Wie kommt der Patient mit unterschiedlichen Informationen und Meinungen zurecht?
Eigenverantwortung in der Gesundherhaltung
Ist der „mündige Patient“ der Schlüssel zu mehr Effizienz im Gesundheitssystem? Je knapper das Gesundheitsbudget umso mehr Eigenverantwortung wird vom Patienten erwartet. Das heißt, der Patient ist dazu verpflichtet, seinen eigenen Lebensstil gesundheitsbewusst zu gestalten, um seine Kosten für das Gesundheitssystem gering zu halten.
Laienwerbung ist nicht im Sinne des Patienten
Mit der geplanten Neuregelung der EU-Kommission sollen Informationen über verschreibungspflichtige Arzneimittel leichter verfügbar sein. „Diese Lockerung des Werbeverbots ist vor dem Hintergrund der Diskussion über den mündigen Patienten zu hinterfragen“, kommentiert Otmar Peischl, Obmann des Österreichischen Generikaverbandes.
Ob mit einer Lockerung des Werbeverbots Patienten die Chance erhalten, alles über Medikamente zu erfahren, sei dahingestellt. Auch bleibt die Frage weiter offen, wie ein Patient mit der angebotenen Informationsvielfalt umgehen kann. „Der Informationsfluss betreffend Medikamente bedarf einer individuellen Abstimmung“, so Peischl: „Diese Aufgabe wird in der Praxis von der Ärzteschaft wahrgenommen.“
► Zum Download: Der muendige Patient.pdf - Der muendige Patient.rtf - Speaker Statements.pdf